Die conditio sine qua non des Post-Antideutschtums ist der Histomat

15. Juni 2005

Kürzlich stritt ich mich mit einem Mitstreiter bei «Die Stämme». Bemerkenswert an der Auseinandersetzung war die Tatsache, dass er die Apologie des Bestehenden mit Marx zu untermauern suchte. Wo der gemeine Freund der innerhalb ihrer Mauern teilweise offenen Gesellschaft Popper bemüht, glaubte der Jünger des Justus noch sich an die «Altlasten seiner linken Jugendsünden» halten zu müssen.

Und so verrenkt man sich den Hals beim Versuch einen Histomat, der selbst einem Leninisten die Schamesröte ins Gesicht triebe, zu konstruieren, der erklärt, warum denn nun die USA mit Bomben und Raketen gegen jeden ihrer Feind zu verteidigen sei. Lustiger- oder besser Tragischerweise kehrt der mit dem Pathos des Verteidigers der «Bedingungen der Möglichkeit» vorgetragene Histomat – der von jeglicher Dialektik der Zivilsation abstrahiert – die Vorzeichen heute um und konstatiert nicht mehr die «Unumgänglichkeit der Revolution», sondern die Unmöglichkeit derselben ausserhalb der am «weistesten fortgeschrittenen» Nationen. Was also an den Marxologen längst entlarvt war – ihr unsägliches Geschichtsbild – schwemmt es hier wieder an die Oberfläche. Hatte Marx im Sezessionskrieg noch die Konföderation verteidigt in seinem Glauben an den unausweichlichen Fortschritt hin zum Sozialismus, so wussten Wertmüller und Epigonen nach 1945 (oder nach dem 11/9) nur noch zu konstatieren, das zwar die Revolution ausblieb, die Bedingung aber mit Bomben in die ganze Welt zu tragen sei – ganz realpolitisch natürlich. Das hört sich dann wie folgt an:

«Amerika ist die conditio sine qua non (Grundvoraussetzung) jedes zukünftigen Fortschritts, den die Menschheit machen kann, ganz unabhängig davon in welche Richtung dieser Fortschritt einschlagen wird.»

In welche Richtung auch immer…
Die benjaminsche «revolutionäre Notbremse» möge jenen Fortschritt, wie er heute zu erwarten ist, aufhalten. Wünscht man fromm und kann sich der Täuschung über die reale Möglichkeit doch nicht hingeben.

Geschlossen sei mit einem der wohl bekanntesten Zitate aus der Dialektik der Aufklärung, deren Lektüre jene verdrängen, die Fortschritt und Befreiung so penetrant immer in eines setzen wie Barbarei und Rückfall:

«Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils.»

Mir ist irgendwie übel…


4 Kommentare

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  1. laber nicht so eine scheisse alter!

    Comment von Drogenfahnder — 16. Juni 2005 @ 15:15

  2. Marx als Prognostiker

    Ein falscher und durchaus gängiger Umgang mit den Schriften von Karl Marx’ wird in Karl Marx 1893 und 1983: Was in den rauschenden Feiern vernachlässigt wird – Marx’ Gründe für eine proletarische Revolution thematisiert. Im folgenden d…

    Trackback von ascetonym.blogsport.de — 6. Juli 2005 @ 15:59

  3. Dann widerlegs doch du linker Depp. Die conditio sine qua non der Deutschlinken ist nach wie vor Ignoranz.

    Comment von Sony — 11. Mai 2006 @ 13:08

  4. hihi

    Comment von Administrator — 11. Mai 2006 @ 21:06

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