Ausflug nach Absurdistan

14. Juli 2005

Am Dienstag, den 12. Juli fände in Freiburg eine Diskussion zwischen Joachim Bruhn (ISF) und Karl Rauschenbach (ADK) über die Frage der Klassen statt, wurde gross auf der ISF-Homepage angekündigt. Mit der vagen Vorahnung was mich da erwarten könnte – es handelt sich immerhin um die Auseinandersetzung zwischen einem Säulenheiligen und einem Renegaten der Antideutschen – reiste ich nach Freiburg. Die Veranstaltung fand vor etwa dreissig mehr oder minder aufmerksamen ZuhörerInnen statt, wobei das Innen stark unterrepräsentiert war. Die beiden Referenten fanden sich dann auch fast pünktlich ein und nahmen an einem Salontischchen Platz, welches auf der selben Höhe stand wie die Stühle der ZuhörerInnen – formal schien die antideutsche Familie also noch relativ intakt. Der Kollege Rauschenbach – wie er im Folgenden von Bruhn ständig genannt wurde – erklärte, eine selbstgedrehte Zigarette im Mundwinkel und offensichtlich mit sich selbst sehr zufrieden, dass er sich nicht vorbereitet habe. Er fahre halt gerne Zug und habe deshalb die Einladung angenommen, ausserdem sei die Diskussion sowieso schon vor zwei Jahren gelaufen und die Argumente seien ausgetauscht. In Freiburg kämen halt so Sachen einfach immer viel später an. Bruhn versuchte sich an einem inhaltlichen Einleitungsreferat. Den Inhalt kannte man als Leser der Schriften des geannten ohnehin und so erschöpfte sich der Erkenntnisgewinn in der Bestätigung, dass der Kapitalbegriff des ISF nicht zu verstehen ist. Anschliessend entspann sich eine sogenannte Diskussion zwischen dem im Stuhl förmlich liegenden kommunistischen Punk, der seine Nichtbereitschaft zur Diskussion bewusst zur Schau stellte (Rauschenbach) und einer im Leerlauf drehenden Metaphernschleuder (Bruhn). Eigentlich erschöpfte sich die Diskussion im Gegenseitigen Vorwurf, der Konterrevolution andienlich zu sein. Als Bonbon gabs von Rauschenbach noch einige antideutsche Internas zu hören (Verhältnis Bruhn – Wertmüller und Fahnenstreitereien). Das Publikum lachte an den richtigen Stellen – dort wo sie ein Spässchen seitens Bruhn vermuteten – und die Kettenhunde der genannten Fraktion bellten ab und an aus den hinteren Reihen. Im grossen Ganzen war es ganz lustig. Die meisten ZuhörerInnen fanden das nicht, vorallem nicht die, die drei Stunden mit dem Auto angereist waren. Mein Vorschlag: nächstes mal leuchtet man die Szenerie aus, engagiert einige HintergrundtänzerInnen und baut die eine oder andere Pointe ein, die auch wirklich zum Lachen ist.


11 Kommentare

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  1. mhhh,die zeit der spektakulären versammlungen scheint eine pause zu machen, die grabenkämpfe laufen auf literarischer sparflamme und wenn gigi nicht gelegentlich eine mumie schändet, wäre die ganze chose fast dem bewusstsein-untergang geweiht. jetzt gehört die arena wohl vorübergehend den sog. liberalen neu-europäern.
    es ist schon ein intellektuelles kreuz.
    ahoi
    zuppi ;)

    Comment von zuppi — 14. Juli 2005 @ 22:57

  2. Nett zu lesen und zu wissen, dass sich diese Sorte Philosophen-Kommunismus nicht mehr allzu großer Popularität erfreut!

    Comment von Dorsch — 14. Juli 2005 @ 23:11

  3. P.S. Reisen zu solchen Veranstaltungen lohnen sich mehr! Da ist Vorbereitung angesagt und soziales Miteinander, das Spaß macht!

    Comment von Dorsch — 14. Juli 2005 @ 23:13

  4. Danke für dein Mitgefühl im Artikel ;)

    Comment von ur — 14. Juli 2005 @ 23:53

  5. ja dann schieb doch mal ein paar von den interna rüber, scheint ja das einzig aufregende gewesen zu sein.
    waity,
    getrieben von bürgerlicher neugier und wild auf falsche intimität

    Comment von w — 15. Juli 2005 @ 11:34

  6. Sehr schön geschrieben. :)

    Comment von Banev — 15. Juli 2005 @ 12:47

  7. Bin ich also doch nicht der Einzige, der den Bruhn nicht versteht, :-)

    Comment von Der Nörgler — 15. Juli 2005 @ 19:58

  8. Die Frage scheint mir mehr, ob er selber versteht, was das Kapital durch ihn spricht. :)

    Internas: Naja, hat so ein wenig über Treffen geplaudert (ganz kurz und anekdotenhaft) – Der Wertmüller hetzt scheinbar ganz gerne gegen den Bruhn, dieser aber verteidigt den Wertmüller. Scheinbar ist der Bruhn auch bei der Fahnendiskussion (deren ausflüsse im T-34 zu lesen waren) ziemlich runtergeputzt worden.

    Comment von Tioum — 15. Juli 2005 @ 20:24

  9. @ tioum:

    „Zugegebenermaßen: Das alles ist nur schwer verständlich (und ich habe es selbst auch nicht verstanden), denn es ist ja die gesellschaftspraktisch gewordene Metaphysik.“ (Joachim Bruhn, Karl Marx und der Materialismus, Hervorhebung von mir)

    Womit deine Frage beantwortet wäre ;-)

    Comment von mokum — 16. Juli 2005 @ 03:05

  10. Das ist ein Zitat aus einem Bruhn-Buch? Was ich also in spontan vemrutete und auch böswillig dir immer wieder anwarf, findet hier seine Bestätigung? Lustig. Irgendwie.

    Comment von Administrator — 16. Juli 2005 @ 03:24

  11. Nein, ist kein Buch, ist ein Text (http://www.isf-freiburg.org/beitraege/Bruhn_Materialismus.htm). Auf diesen hat sich Felix Baum in seiner Kritik glaub ich auch ausführlich bezogen (und im Hanloser-Buch wohl auch).

    Comment von mokum — 16. Juli 2005 @ 03:46

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