Weltekel und Unlust zu Bloggen

29. August 2005

*Iiiiigith*

Geschichten schreiben

16. August 2005

Man sagt der Anfang einer Geschichte sei das schwierigste. Darum schreibe ich hier einen Anfang und einen Schluss nieder, die restlichen 200 Seiten kommen dann wie von selbst.

Anfang: Früh morgens an einem Sonntags sass Klaus Brenner in seiner Badewanne und lauschte klassischer Musik, die aus einem alten Transistorradio an sein Ohr drang.

Schluss: So setzte er sich in die Pfütze und starrte durch seine verdreckte Brille in den wolkenbehangenen Himmel.

Vielleicht weiss ja jemand einen alternativen Anfang oder Schluss? Um Mithilfe wird gebeten.

Was geht Konkret?

6. August 2005

Da ich mich dank Aboprämie Besitzer der Marcuse-Schriften in neun Bänden nennen darf, habe ich die «Konkret» für zwei Jahre monatlich im Briefkasten. Unterdessen ist mir das Heft langweilig geworden. Die Argumentation ist bekannt, der Gegenstand wechselt zwar, die Schlussfolgerungen sind aber bereits vorher bekannt. Ärgerlich ist zudem, dass Horst Pankow – ehemaliger Linksabweichler der Bahamas, heute Rechtsüberholer – seinen nur schlecht getarnten rassistischen Dreck darin publiziert. Regelmässig in jeder Ausgabe einen Artikel. In der neusten Ausgabe fand ich jedoch keinen Text von Pankow. Ob dies in einem Zusammenhang steht mit der Kolumne von Herausgeber Gremliza, der neuerlich einen seiner beliebten politischen Schwenker andeutet? Bricht dieser doch mit einer von Pankow und der antideutschen Gemeinde gehegten Sicherheit: Der Koran sei der Schlüssel zum Verständnis des Islamismus ergo des neuen Nationalsozialismus (welcher mit Sack und Pack aus Deutschland ausgewandert sei und sich in unzivilisierten Landen niedergelassen habe).
Auch wenn die Kolumne recht plump daherkommt ist sie doch ein Schritt weg vom Ressentiment hin zur materialistischen Analyse. Plump ist sie, weil Sachen wie folgendes drin stehen: «Islam ist, wo Elend, Islamismus, wo zuviel Elend ist» oder «Wer Lohn, Auto, ein Häusschen hat, braucht keine Kirche». Es soll hier nicht der Zusammenhang zwischen Elend und Sinn- oder Erlösungssuche betritten werden, aber den undialektischen Materialismus überlässt man besser Sozio- und anderen Ideologen. Ein Schritt weg vom Ressentiment ist die Kolumne aber, weil auch Sachen drinstehen, wie folgendes: «Statt die Motive der Mörder aus dem Koran und anderen heiligen Kaffeesätzen zu lesen, müsste der Westen zugeben, was Religion [hier fehlt ein «auch»] ist: ein Kind der Not» oder «Weil die zivilisierte Welt weder besonders zivilisiert ist noch eine Wertegemeinschaft, sondern ein Haufen nationaler Kapitale, die sich in wechselnden Bündnissen um die Beute balgen, welche noch die ärmsten Regionen der Erde hergeben, sind sie unfähig zu solcher Remedur [Es geht hier um eine effektive Bekämpfung des Terrorismus, also nach Gremliza des Elends] und machen den Mördern nur neuen Mut.» Man wird sehen, ob das nur kurzer Seitenwind ist, natürlich auch immer mit Blick auf die Abonnentenzahlen. Oder ob am Ende gar der Pankow durch Elsässer ersetzt wird…

Streik in der Denkfabrik

4. August 2005

Mangels Einfälle und um das Blog doch nicht ganz ausdörren zu lassen: Recycling. Den Einakter hab ich nach der Teilnahme an einem sogenannten Uni-Streik hingeschrie(b)en.

Personen
Der gescheite Student
Pflichtbewusst aber natürlich kritisch

Die Trotzkistin
Für Volk und Proletariat

Der Herr Unischutz
Bassstimme und klassischer autoritärer Charakter

Die KommunistInnen
Exemplare einer vom Aussterben bedrohten Gattung

Erste und einzige Szene
Spielt in der Aula der Universität

Die Trotzkistin, der gescheite Student, die KommunistInnen und andere bauen eine Barrikade am wichtigsten Punkt, dem Durchgang zu den Vorlesungsräumen. Die Stimmung ist relativ gut, noch sind wenige Menschen in und an der Uni.

Die Trotzkistin (singt):
Wacht auf verdammte dieser Erde, die stets…

Der gescheite Student:
Hey, nu mal nicht so revolutionär, sonst verschrecken wir noch alle. Wir wollen doch unsere Anliegen der breiten Masse…

Die Trotzkistin (während sie eifrig die Barrikadenteile herbeiholt):
Ja, aber der Genosse Trotzki sagt… und der Kommunismus ist an sich ja schon… wir müssen solidarisch mit den… Proletarier aller Länder vereinigt…

Die Barrikade steht, erste brave Studenten und Studentinnen dringen bis zu ihr vor um endlich an den heiss ersehnten Seminaren und Vorlesungen teilnehmen zu dürfen.

Die Trotzkistin (steht singend mit roter Fahne vor den Barrikaden und wiederholt ständig):
Haha, wir streiken hier.
Das Proletariat in Kampfeslaune,
sieh unseren Kampf und staune.
Bildung ist keine Ware,
auf das man für alle spare.
Eine Uni nur für Reiche,
höchstens über meine Leiche.

Nach kurzer Zeit drängt sich eine beachtliche Masse gegen den Druchgang. Die Hinteren stossen die Vorderen. Einige Jus- und Wirtschaftsstudenten geraten in Rage und rufen nach Vaterlandsschutz und Polizei. Recht und Ordnung müssen wieder hergestellt werden. Einige Wenige in der Masse weinen, kleinere Studenten werden im Gedränge niedergetrampelt. Der Herr Unischutz trifft ein.

Der Herr Unischutz (mit Bassstimme):
Nun höret ihr Streikerpack, dass geht nun wirklich nicht.

Die Trotzkistin (hat aufgehört zu singen, die rote fahne hängt etwas):
Nein, du gehörst zum Volk, Bruder.
Alle Räder stehen still,
wenn unser starker Arm es will.
Lass doch mal das Schimpfen sein
und reih dich in den Streik mit ein.

Der Herr Unischutz (erhebt die stimme):
Räumt diese Barrikade und lasst die braven Studenten studieren.

Der gescheite Student:
Genau, Streik ist ja gut, aber man muss die Willigen reinlassen. Wir können zu dreissigst den Vorlesungen fernbleiben. Und dann machen wir dafür eine kreative Aktion – mit Luftballons oder so.

Die Trotzkistin:
Ja aber, der Genosse Trotzki sagt,
ein Streik hat nur gemeinsam einen Sinn.
nur wenn das Kapital geplagt,
geht es schlussendlich auch dahin.

Der Herr Unischutz (brüllt)
Schluss jetzt. Es wird geräumt.

Der Unischutz räumt erste Teile ab, worauf einige KommunistInnen die Sachen wieder hinstellen und sich etwas mit dem Schutz rangeln. Die Masse der Studierenden verhält wie immer: interessiert aber sich strikt in den Bahnen der Konventionen bewegend. Man staunt über die absonderliche Begebenheit in der eigenen Uni, hütet sich aber vor dem direkten Eingreifen und schaut stattdessen ab und zu auf die Armbanduhr ob denn die Vorlesung schon angefangen habe.

Der Herr Unischutz (brüllt nun noch lauter):
Schluss jetzt. Es wird geräumt.
Ich mache sie, Frau Trotzkistin, persönlich für diesen Aufruhr verantwortlich. Das wird Konsequenzen haben.

Die Trotzkistin (sieht plötzlich ihren Abschluss, den Doktortitel, Ehre und Ruhm entfleuchen. murmelt vor sich hin):
Ja aber Genosse Trotzki…
Und Rosa und Karl…
Ich…
Es…
(Über-Ich murmelt sie nicht, obwohls an dieser Stelle wohl am beste gepasst hätte.)

Die Trotzkistin baut mit Hilfe des Herrn Unischutz die Barrikade ebensoschnell wieder ab, wie sie aufgebaut wurde. Sie geht traurig vom Durchgang weg. Man sieht einige Kommunisten und Kommunistinnen, die versuchen den Pöbel und den Unischutz zurückzudrängen. Sie gehen im Gedränge unter, die rote Fahen versinkt – sich ihrer Symbolkraft bewusst – im Mob.

Die Moral
So steht es mit der Radikalität,
man schreit sie raus von Früh bis Spät.
Doch ist das Verbale mal übertreten
und wird um’s Pflichtbewusste gebeten,
ists vorbei damit,
und im Schnitt
ist’s nicht weit her mit der Radikalität,
die rausgeschreien von Früh bis Spät.

Vom gewöhnlichen, sich oftmals kritisch dünkenden Studenten,
sei hier geschwiegen – zumal er sich partout nicht reimen will – ,
denn da lägen
bloss Verduss und Wut noch drin
und das macht in der Moral nun wenig Sinn.