Was geht Konkret?

6. August 2005

Da ich mich dank Aboprämie Besitzer der Marcuse-Schriften in neun Bänden nennen darf, habe ich die «Konkret» für zwei Jahre monatlich im Briefkasten. Unterdessen ist mir das Heft langweilig geworden. Die Argumentation ist bekannt, der Gegenstand wechselt zwar, die Schlussfolgerungen sind aber bereits vorher bekannt. Ärgerlich ist zudem, dass Horst Pankow – ehemaliger Linksabweichler der Bahamas, heute Rechtsüberholer – seinen nur schlecht getarnten rassistischen Dreck darin publiziert. Regelmässig in jeder Ausgabe einen Artikel. In der neusten Ausgabe fand ich jedoch keinen Text von Pankow. Ob dies in einem Zusammenhang steht mit der Kolumne von Herausgeber Gremliza, der neuerlich einen seiner beliebten politischen Schwenker andeutet? Bricht dieser doch mit einer von Pankow und der antideutschen Gemeinde gehegten Sicherheit: Der Koran sei der Schlüssel zum Verständnis des Islamismus ergo des neuen Nationalsozialismus (welcher mit Sack und Pack aus Deutschland ausgewandert sei und sich in unzivilisierten Landen niedergelassen habe).
Auch wenn die Kolumne recht plump daherkommt ist sie doch ein Schritt weg vom Ressentiment hin zur materialistischen Analyse. Plump ist sie, weil Sachen wie folgendes drin stehen: «Islam ist, wo Elend, Islamismus, wo zuviel Elend ist» oder «Wer Lohn, Auto, ein Häusschen hat, braucht keine Kirche». Es soll hier nicht der Zusammenhang zwischen Elend und Sinn- oder Erlösungssuche betritten werden, aber den undialektischen Materialismus überlässt man besser Sozio- und anderen Ideologen. Ein Schritt weg vom Ressentiment ist die Kolumne aber, weil auch Sachen drinstehen, wie folgendes: «Statt die Motive der Mörder aus dem Koran und anderen heiligen Kaffeesätzen zu lesen, müsste der Westen zugeben, was Religion [hier fehlt ein «auch»] ist: ein Kind der Not» oder «Weil die zivilisierte Welt weder besonders zivilisiert ist noch eine Wertegemeinschaft, sondern ein Haufen nationaler Kapitale, die sich in wechselnden Bündnissen um die Beute balgen, welche noch die ärmsten Regionen der Erde hergeben, sind sie unfähig zu solcher Remedur [Es geht hier um eine effektive Bekämpfung des Terrorismus, also nach Gremliza des Elends] und machen den Mördern nur neuen Mut.» Man wird sehen, ob das nur kurzer Seitenwind ist, natürlich auch immer mit Blick auf die Abonnentenzahlen. Oder ob am Ende gar der Pankow durch Elsässer ersetzt wird…


7 Kommentare

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  1. Blöder ML-Scheiß, der Religion noch nie vernünftig kritisieren konnte.

    Weil die zivilisierte Welt weder besonders zivilisiert ist noch eine Wertegemeinschaft, sondern ein Haufen nationaler Kapitale, die sich in wechselnden Bündnissen um die Beute balgen, welche noch die ärmsten Regionen der Erde hergeben, sind sie unfähig zu solcher Remedur

    Und das ist auch ein Scheiß. Als wenn „Werte“ und „Zivilisation“ Maßstäbe für eine Kritik der Konkurrenz sind. Der Witz ist gerade: WO Konkurrenz herrscht, braucht es erst Werte. So kriegt der Laden ideologisch etwas gemeinsames verpasst, wo er sonst ständig ein Gegeneinander enthält. Umgekehrt: wo ein gemeinsamer Zweck als Gesellschaft organisiert sind, wo sollen da noch Werte eine Rolle spielen?

    „Wo Tugenden gebracht werden ist die Welt schlecht eingerichtet“ sagte mal jemand bekannteres! :)

    Comment von Dorsch — 6. August 2005 @ 10:06

  2. Gremliza hat aber schon häufiger so argumentiert; das ist kein plötzlicher Schwenk, sondern gerade das Schwanken hat bei ihm Methode. Beim nächsten Terroranschlag könnte er dann auch wieder den Koran zitieren. Ich vermute mal, er kann sich da nicht so recht entscheiden. Und der Vulgärmaterialismus war schon immer eine Schwäche von ihm. Er pflegt dann gerne zu antworten, dass die Wirklichkeit halt ziemlich vulgärmaterialistisch sei. Manchmal funktioniert diese Kritik tatsächlich; oft, wie in diesem Fall, wird es ziemlich platt.

    Comment von Der Nörgler — 6. August 2005 @ 13:37

  3. @ Dorsch

    Wer nimmt den „Zivilisation“ als Massstab der Kritik? Ich seh da erstmal nur eine Benennung ideologischer Kategorien als solche. Du liest da mal wieder mehr rein, als steht.

    @ Nörgler

    Stimmt, ja. Ich meinte ja auch mit den ständigen Schwenkern, dass der Gremliza dafür bekannt ist. es wurde aus sowas aber auch schon ein Linienwechsel bei der Konkret und das wollte ich mit den letzen beiden Sätzen verdeutlichen.

    Comment von Administrator — 6. August 2005 @ 14:53

  4. Also der Dorsch hat da schon recht: Wie denn sonst kommt Gremliza darauf der Zivilisation an ihrem Ideal zu blamieren? Ist es nicht ein bisschen arg gutmütig aus jeder inkosistenten Argumentation Gremlizas einen „Schwenk“ in die richtige Richtung zu vermuten? Die von Dir zitierten Passagen belegen doch nur erneut, dass dieser Religion an sich nie kritisieren kann, sondern sie nun vulgär-funktionalistisch beurteilt.

    Comment von ascetonym — 6. August 2005 @ 20:19

  5. HLG liest also auch Blogs…

    Comment von Hermann — 28. Oktober 2005 @ 02:02

  6. HLG in konkret 11/05…

    Comment von Hermann — 28. Oktober 2005 @ 02:07

  7. […] Einer schreibt was ins Internet und schlägt damit hohe Wellen. So zumindest beschreibt Hermann Gremliza in der neuen Konkret das, was in diesem Blog über seine Kolumne (Konkret 8/05) gesagt wurde. Schön natürlich, wenn man mit einem Beitrag in einem Blog hohe Wellen schlagen kann. Traurig nur, dass die Wellen gemessen an ihrer gesellschaftlichen oder auch bloss medialen Relevanz derart mikrig sind. Taurig übrigens auch, dass der Ursprung der Wellen – die Quelle sozusagen – nicht genannt wurde. […]

    Pingback von Störgeräusche im Supermarkt :: Von Störgeräusche :: Oktober :: 2005 — 28. Oktober 2005 @ 16:45

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