Kritik des Opiums

3. März 2006

Wer heute als kritischer Kritiker etwas auf sich hält, der weiss um die Dringlichkeit, die ganz eigene Idiotie des Islams zu kritisieren – dass Religion Idiotie ist, sei hier unbestritten. Dabei stürzt und stützt man sich auf die Schriften des Irrglaubens und leitet daraus dann die Praxis der Moslems ab. Könnte man das Ganze auch einfach rechts liegen lassen, so lässt es doch aufhorchen, dass diese «Kritik» auch und gerade von Leuten betrieben wird, die sich auf Marx beziehen. Richtig: Auch Marx übte Religionskritik als «Voraussetzung aller Kritik», nur war die marxsche Religionskritik immer eine Kritik an der Gesellschaft. Marx schreibt:

«Das Fundament der irreligiösen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewusstsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben oder schon wieder verloren hat. Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Sozietät. Dieser Staat, diese Sozietät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewusstsein, weil sie eine verkehrte Welt sind. (…) Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist.» (Karl Marx; MEW 1: 378f)

Wenn nun zum Beispiel im KF der User «Die Hilton» die Zwangsbeschneidungen von Frauen in einem direkt kausalen Zusammenhang mit der spezifisch islamischen Ausformung des Irrglaubens behauptet, dann macht er nichts anderes als alles falsch (zumal es empirisch schon Blödsinn ist) – ebenso falsch wie seine «GenossInnen», die noch jede Barbarei aus dem Koran ableiten. Er erklärt nämlich nicht die Praxis aus den gesellschaftlichen Bedingungen, welche über die religiöse Schrift legitimiert wird. Nein. Er leitet implizit die unglaubliche Praxis direkt aus der religiösen Schrift ab und erklärt damit, dass die Religion – zwar nicht den Menschen –, aber eben doch seine Praxis hervorbringe.

NB: Bibel- oder Koranexegese überlass ich auch künftig den Post-Antideutschen und jenen, die glauben sich auf dieser Ebene mit ihnen rumschlagen zu müssen.


2 Kommentare

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  1. Marx war kein Religionskritiker; er hat die Religionskritik vielmehr — und anders lassen sich die in sein Notizbuch gekritzelten Feuerbach-Thesen meines Erachtens nicht verstehen — in die Tonne getreten, um sich stattdessen der „Religion des Alltagslebens“ zu widmen.

    Es gibt keine spezifisch marxistische Religionskritik. Sie ist immer noch die gleiche wie zur Zeit der Aufklärung und besteht darin, die Religion als Anthropomorphismus zu entlarven: Menschen projizieren ihre bornierten Vorstellungen über die Welt und ihre Verkrachtheit mit dem hiesigen Jammerleben auf das Jenseits. Sie selbst sind es, die sich Gott nach ihrem Bilde schaffen.

    Ein anderes Verfahren der Religionskritik gibt es nicht. Und daran kann man schon mal sehen, dass das, was die „Anti“deutschen betreiben, eine Religionskritik gar nicht ist.

    Comment von lysis — 3. März 2006 @ 19:39

  2. Das mein ich ja genau, wenn ich schreib, dass marxsche Religionskritik immer die Kritik dieser Gesellschaft ist.

    «Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist.» (Marx)

    «Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.» (Marx)

    Comment von Administrator — 4. März 2006 @ 04:02

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