Adorno vs. Krahl (3)

12. Mai 2006

«Daß die Idee hinausführenden Fortschritts heute blockiert ist, rührt daher, daß die subjektiven Momente der Spontaneität im geschichtlichen Prozeß zu verkümmern beginnen. Der gesellschaftlichen Allmacht desperat einen isolierten, vorgeblich ontologischen Begriff des subjektiv Spontanen entgegenzustellen, wie die französischen Existentialisten, ist, noch als Ausdruck von Verzweiflung, zu optimistisch; die wendende Spontaneität kann nicht außerhalb der gesellschaftlichen Verflechtung vorgestellt werden.» (Theodor W. Adorno)

vs.

«Adorno hat die Irrationalisierung der Spontaneität im Rahmen der Ursprungskategorie kritisiert, Spontaneität, die also nicht mehr in dem bürgerlichen Sinne autonome Vernunft meint, (…) sondern irrationalisierte Spontaneität auf dem Boden einer schlechten Unmittelbarkeit. Was er jetzt nicht differenziert, ist dieses – und das kann man gewissermassen im Umschlag der Arbeiterbewegung zum Faschismus selber feststellen in der grossen Zusammenbruchskrise der zwanziger Jahre –, dass er nicht feststellt, dass faschistische Konterrevolution selbst sich immer, demagogisch, herrschaftsmässig und manipulativ entstellend, des antikapitalistischen Bewusstseins der Massen bedienen müssen, und dass es auf diese Weise gewissermassen die konterrevolutionär entstellte revolutionäre Spontaneität ist, die den totalen Naturzustand herbeiführt.» (Hans-Jürgen Krahl)


5 Kommentare

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  1. Möchtest Du nicht selbst noch etwas Erläuterndes dazu schreiben? Finde ja nicht, dass der Krahl den Adorno da richtig kritisiert, bzw. sind die Sachen die da zuletzt zitiert werden überhaupt kein Einwand in der Sache… von der Manipulationstheorie, die der Krahl da scheinbar fährt mal ganz zu schweigen.

    Comment von ascetonym — 12. Mai 2006 @ 20:23

  2. Leider fehlt mir sowohl Zeit als auch die Lust, die einzelnen Streitpunkte von Krahl und Adorno schriftlich zu kommentieren. Darum war das hier in erster Linie als Dokumentation gedacht.

    Ich finde aber gerade beim obenstehenden Zitat trifft Krahl einen sehr wichtigen Punkt. Eine Manipulationstheorie kann ich daraus nicht entnehmen, viel mehr halte ich bspw. den «sozialrevolutionären» Flügel der NSDAP, der vor der Machtergreifungen eine sehr wichtige Rolle gespielt hat (aber bereits 1934 als logische Folge der reellen Funktion der Partei eliminiert wurde) für eine OBJEKTIVE Manipulation der antikapitalistischen Kräfte. Was deine Kritik daran ist, würde mich aber durchaus interessieren.

    Comment von Administrator — 12. Mai 2006 @ 21:11

  3. Danke für die schnelle Antwort.

    Nur kurz, da leider auch ich anderweitig beschäftigt: Eine Revolution, nämlich eine nationale, wollten doch die Nazis. Darauf sind „die Massen“ doch angesprungen, weil sie eben dem Vorhaben Deutschland u.a. mit starker Hand und Krieg zur erneueten Weltmachtrolle zu verhelfen, einiges abgewinnen konnten. Eine objektive Manipulation ist da weit und breit nicht auszumachen, da aus der objektiven Klassenlage eben keine Schlüsse auf eine notwendige politische Befürwortung von irgendwas zu ziehen sind.

    Über die Rolle des „sozialrevolutionären“ Flügels weiss ich zu wenig um deren Gewicht einschätzen zu können. Fakt ist aber doch, dass dieser erst gar nicht in Erscheinung treten musste um der Spontanität der Massen – whatever that is ;) – ein nationalistische Schlagseite zu geben…

    P.S. Woher hat Krahl es überhaupt her, dass diese Massen ja eigentlich antikapitalistisch waren? Und außerdem kommt es ja schon drauf an zu wissen was die am Kapitalismus kritisiert haben. Soweit ich die Mehrzahl (also die berüchtigten Massen) der deutschen Arbeiterbewegung kenne, war deren Antikapitalismus ja nun wirklich nicht revolutionär, sondern pochte vor allem auf Gerechtigkeit, für die der Staat ja eigentlich sorgen müsste usw…

    Comment von ascetonym — 12. Mai 2006 @ 22:10

  4. Ich halte den Begriff der Revolution für problematisch, wenn man vorallem von der Machtübernahme per Ermächtigungs- und Gleichschaltungsgesetz spricht. Und eben darin liegt auch der Witz, den ich mit der Ausschaltung des «sozialrevolutionären» Flügels alias SA (neben dem bereits 1930 ausgeschiedenen Strasserflügel) meinte, welche von einer «zweiten Revolution» schwadronierte, weil die NSDAP nach der Machtübernahme ihre «sozialen» Programmpunkte über Bord warf um einen kapitalistischen Staat im Ausnahmezustand zu konsolidieren.

    Wenn du dir mal die Basis der NSDAP vor der Machtergreifung anschaust (vorallem Kleinbürgertum), dann kannst du auch nicht einfach so unumwunden von einer Zustimmung der «Massen» zu ihrem Programm sprechen. SPD war noch 1930 die stärkste Partei und die KPD kam immerhin auf über 18%. Natürlich bezogen sie sich – fatalerweise – auf den nationalen Rahmen (Die KPD vorallem aus opportunistischen Gründen, wie ich glaube), aber die Ausrichtung der KDP war klar internationalistisch. Und da stimmt es halt einfach nicht, dass die Deutschland wieder stark machen wollten, die wollten soziale Veränderungen über Revolution und das hat der «sozialrevolutionäre» Flügel der NSDAP eben genau auch in’s Programm aufgenommen und in einen national-rassischen Rahmen transformiert. Was dann faktisch daraus geworden ist, sah man ja nach der Machtergreifung.

    Das heisst dann halt, dass die Nazis ihr Krisenhypostasierungs-Programm sozialrevolutionär aufgeladen haben, um einem antikapitalistischen (und damit ist in diesem Falle nicht die Ablehnung einer BEGRIFFENEN kapitalistischen Totalität gemeint, sondern die mehr oder minder spontane Auflehung gegen die Zustände, die den einzelnen täglich bedrück(t)en!) Bedürfnis nachzukommen.

    Comment von Administrator — 13. Mai 2006 @ 03:21

  5. Tut mir leid, aber deine Ausführungen kann ich jetzt nicht wirklich entziffern.

    Nochmal: Wo und wie sollen denn die angeblich „antikapitalistischen Kräfte“ objektiv manipuliert worden sein?

    Übrigens: auf die paar internationalistischen Kommies kam es bei den „Massen“ (die der blöde Krahl ja eben auch verführt sehen will) überhaupt nicht an.

    Comment von ascetonym — 14. Mai 2006 @ 08:00

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