An Sonn- und Feiertagen

20. Mai 2006

Durch die schmutzigen Fensterscheiben im Wohnzimmer ist die Welt zu sehen, wie sie da liegt und keine Anstalten macht, vernünftigt zu werden. Einmal mehr finde ich mich in den Zustand der Resignation geworfen. Eine tiefe Verunsicherung, die sich gerne als unverbrüchliche Gewissheit ausgibt und mich glauben macht, dass es so bleiben muss, erfüllt meinen hämmernden Kopf. Wohl weil die reale Subsumation der Arbeit unter das Kapital tatsächlich abgeschlossen ist… oder so ähnlich. Weil also der Einzelne da draussen bloss noch Staat und Kapital im Kopf und Markenschuhe an den Füssen hat. Erstmal eine Tasse Kaffee. Dann die Nachrichten: Deutschland kackt ab. Suizidaler Massenmord im Irak. Arbeitslosigkeit über zwanzig Prozent. Irgendwo brennt ein Asylbewerberheim. Mein Kopf explodiert demnächst. Ein Alka-Selzer drängt sich mir so auf, wie die Möglichkeit einer freien Gesellschaft. Ersteres hat mit der gestrigen Nacht zu tun, das zweite bestätigt ein Blick in jede Fabrikhalle und jedes Büro. Auf Viva zeigen sie nach einem Videoclip mit nett lächelnden Silikongestellen das zweiundreissig Zimmer starke Haus von Puff Daddy. Die Folterkeller der Kulturindustrie erscheinen als die mit Samt ausgelegten Luxusgefängnisse, die ein jeder anzustreben hat. Und wie ich da so auf meinem Flohmarktsofa sitze und das Elend mir aus dem Fernseher ins Gesicht schlägt, macht der Zustand der Resignation ziemlich plötzlich Verzweiflung Platz. Ich renne gegen die Mauern im Hinterhof an und in die Köpfe der Menschen werf ich Pflastersteine. Wahrscheinlich liegt es am Kater, dass ich dabei nichtmal in meiner Phantasie besonders erfolgreich bin.


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