Freunde der himmlischen Gesellschaft

7. Juni 2006

Es ist schwer zu glauben, dass die «Freunde der offenen Gesellschaft» bloss zufällig ein biblisches Motiv für ihre Veranstaltungsreihe zur Ehrrettung der Totalitarismustheorie gewählt haben. Man mag hier keine unbewussten Motive anführen, wie sie der Kritischen Theorie von der FdoG unterstellt werden, aber erstaunen kann es ob der penetranten Apologie der «christlichen Zivilisation» auch nicht wirklich. Es fällt schwer, ob soviel Irr- und Blödsinn an einem bestimmten Punkt mit der Kritik zu beginnen und es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis diese selbstzufriedenen Herren Noltes «kausalen Nexus» oder die ideologische Vorreiterrolle von Rosa Luxemburg für den Djihad entdecken. So erstaunt es dann auch nicht, dass an der Veranstaltung ein «Zivilisationstheoretiker» wie Gunnar Heinsohn auftritt, der in Bezug auf die Bombardierung Dresdens gerne mal von «Demozid» oder bei politischen Morden – sofern sie denn von totalitären Regimen begannen werden – von «Politzid» spricht. Was anderes soll man auch von einem Referenten erwarten, der Auschwitz in einem Wisch mit dem «Gulag-System», dem Genozid an den «Tutsis» und «vormodernen Grausamkeiten» abhandelt? Dass der selbe Schwadroneur des Totalitarismus die bürgerliche Gesellschaft aus der Kritik nimmt, indem er ihre Kriege aus einem «Überschuss» an jungen Männern «ohne Zukunft» erklärt, ist wohl nicht mehr ohne psychologische Kategorien zu erklären – auf den Referenten selbst angewandt. Vielleicht merkt das aber niemand, denn am Tag zuvor hat Gerd Habermann, der Vorsitzende der Hayek-Gesellschaft, die Köpfe bereits dergestalt sturmreif geschossen dass die imaginierte kommunistische Anhöhe ohne Probleme eingenommen werden dürfte. Und sollte bei den ZuhörerInnen noch sowas wie Restverstand vorhanden sein, so können die Bombenthomasse (Osten-Sacken und Uwer) ihre Geschosse droppen, auf dass sie das Publikum soweit zurichten, dass sie auch ja nicht mitkriegen, wie absurd sich die Kritik an der «extrem unterkomplexen» (Grüsse auch an Luhmann) und «grotesk verzerrenden» Kritischen Theorie anhört, welche ja schliesslich «dem Bedürfnis nach einer schnellen und einfachen Lösung für alle Menschheitsprobleme» entspringe. Als erstes würde mir als Kommunist eine schnelle und einfache Auflösung der FdoG reichen. Wobei, dann hätte das geneigte Publikum nicht mehr soviel zu lachen und die (bürgerliche) Welt wäre um einen ihrer komischsten Apologeten betrogen. Und das will man dann ja doch nicht.


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